• Gerd Neubauer

Trauerbegleitung: Wann sollte ich mir in der Trauer Hilfe holen? Eine Orientierungshilfe.

Aktualisiert: 16. Nov 2019


Ganz gleich durch welche Verlusterfahrung ausgelöst, die Trauer ist kein einfacher Weg. Sehr oft wird sie mit einem hohen Berg verglichen, den es zu besteigen gilt. Und einen wirklich hohen Berg in Begleitung zu besteigen, macht ihn zwar nicht kleiner, aber hilft, an schwierigen Abschnitten nicht aufzugeben oder sich bei misslicher Wetterlage richtig zu schützen und vielleicht nach einer geeignten Rast weiterzugehen. Diesen Tipp wird Ihnen jeder Bergfreund und Bergführer geben. Und so oder so ähnlich ist es auch bei der Trauer.

Keine Trauer gleicht der anderen. Sie ist so individuell, wie jeder Mensch einzigartig ist. Dennoch sollten alle Trauerwege das gleiche Ziel haben: Den Verlust ins Leben zu integrieren und nach der "akuten" Trauer in ein lebenswertes und liebenswertes Leben danach zu gelangen, wo Zufriedenheit und Glück wieder verspürt werden kann. Und das alles, ohne dabei jemanden oder auch etwas zu vergessen und ein schlechtes Gewissen gegenüber irgendjemanden haben zu müssen. Gehen wir unseren Weg der Trauer, werden wir am Ende belohnt, indem wir gesund bleiben, stärker und vor allem auch reifer werden. Nicht nur das. Wir werden uns in unserer Persönlichkeit und Menschlichkeit weiterentwickeln, denn Trauer ist Entwicklung und Wandlung. Ihren ganz persönlichen Trauerweg alleine zu gehen, fällt vielen Menschen schwer, deshalb holen sie sich auch Hilfe.

Sich in der Trauer Hilfe zu holen, ist keine Schwäche, sondern wirkliche Stärke!

Es ist einer der ersten Schritte in dieses lebens- und liebenswerte Leben nach dem schmerzlichen Verlust, wenn ich mich dafür entscheide, Hilfe und Unterstützung in der Trauer anzunehmen. Aber wann sollte ich mir eigentlich professionelle Hilfe holen?

Hier erhalten Sie ein paar Anhaltspunkte zur persönlichen Orientierung, wann Sie sich Hilfe in der Trauer holen sollten:

  • Wenn Sie glauben oder wissen, nicht alleine mit dem Verlust klarzukommen.

  • Wenn Sie die Trauer als Entwicklungs- und Wandlungsweg bewusst für Sie nützen wollen.

  • Wenn Sie aus dem furchtbaren Schmerz herauskommen möchten, aber selbst noch keinen Weg dorthin gefunden haben.

  • Wenn Sie mit jemandem darüber sprechen möchten und vielleicht auch das Gefühl haben, dass Ihnen niemand (mehr) gerne zuhört. Oder etwas erzählen oder besprechen möchten, bei dem Sie möchten, dass es Menschen in Ihrem sozialen Umfeld nicht erfahren.

  • Wenn Sie nicht wissen, wie Sie Trauerarbeit leisten können und vielleicht auch nicht wissen, welche die richtige für Sie ganz persönlich ist.

  • Wenn Sie sich mit der Sinnfrage des Lebens und des Todes beschäftigen und gerne darüber sprechen möchten.

  • Wenn Sie sich auf Ihrem Trauerweg unsicher fühlen oder unsicher sind, ob Sie einen (länger zurückliegenden) Verlust gut verarbeitet oder besser gesagt, gut in Ihr Leben integriert haben.

  • Wenn Sie sich einsam fühlen und noch nicht wissen, wie Sie diese Einsamkeit überwinden können.

  • Wenn Sie um sich selbst Angst haben, wie z.B. verrückt zu werden, zu erkranken, an dem schmerzlichen Verlust und seinen mit sich bringenden kleineren oder größeren Abschieden zu zerbrechen etc.

UNBEDINGT sollten Sie ärztliche bzw. therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen:

  • Wenn Sie immer wieder Suizidgedanken haben, möglicherweise auch schon über die Art und Weise nachdenken oder sogar Vorbereitungen treffen.

  • Wenn Sie nach Monaten des Trauerns keinen Fortschritt in Ihrer Trauer feststellen können bzw. konnten, vor allem dann, wenn der furchtbare Schmerz noch immer wie die Tage nach dem schmerzlichen Verlust in seiner gleichen Intensität da ist und Sie über die Zeit keine Veränderung dahingehend wahrnehmen konnten.

  • Wenn Sie belastende Gedanken oder Bilder im Kopf schon über längere Zeit nicht loslassen, immer wieder kommen und Sie auch im Schlaf nicht zur Ruhe kommen lassen.

  • Wenn Sie unter Angst- oder Panikattacken leiden.

  • Wenn es Ihnen nicht möglich ist, den Alltag zu bewältigen oder es Ihnen allzu schwer fällt für sich selbst und andere, wie zum Beispiel Ihre Kinder, zu pflegende Angehörige etc., zu sorgen. Zu bemerken ist dies auch bei nachlassender Hygiene, ungesunder, übermäßiger oder zu wenig Ernährung etc.

  • Wenn Sie schon über längere Zeit (mehr als 1 Monat) Beruhigungs- oder Schlafmittel, übermäßig Alkohol, Zigaretten oder andere Drogen konsumieren oder zu sich nehmen.

Was ist "komplizierte Trauer"?

Trauer ist eigentlich keine Krankheit, sondern auch ein Prozess, der zur Heilung führen soll. Die Unterscheidung zwischen gesunder und „krankhafter“ oder komplizierter oder erschwerter Trauer ist generell schwierig. Die Grenzen sind eher schwimmend und über die Begriffe lässt sich auch streiten. Aber man kann sagen, dass die Trauer mit all ihren Auswirkungen und Nebenerscheinungen jedenfalls dann den Prozess der Heilung nicht mehr verfolgt, wenn wir länger darunter leiden, als wir das überhaupt möchten. Hier liegt die Betonung insbesondere auf LEIDEN. Das ist vor allem dann so, wenn sie unser Leben so beeinträchtigt, sodass wir keine Lebensperspektiven und Ziele auch nach verstreichender Zeit nicht mehr sehen können und unsere Gesundheit in unserem Leben keinen wichtigen Stellenwert mehr hat. Dann macht es auch keinen Sinn länger zuzuwarten, um sich Hilfe zu holen, denn es ist noch nicht zu spät – UND ES IST NIE ZU SPÄT – um etwas zu tun, das Ihnen wieder in ein schönes, lebenswertes und liebenswertes Leben hilft!

Wer ist der oder die richtige Begleiter_in für Sie? Mein persönlicher Tipp für Sie!

Sofern Sie sich entscheiden, hinsichtlich selbst eingeschätzter Notwendigkeit nicht gleich einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, der bzw. die sie an eine für Sie geeignete Stelle verweist, geben Sie, BITTE, bei der Wahl Ihres Begleiters bzw. Ihrer Begleiterin acht. Nicht allzu selten wird Missbrauch an Trauernden betrieben oder die Anbieter_innen überschätzen ihre eigenen Kompetenzen! Schauen Sie nicht nur auf die eigene Biografie oder das persönliche Schicksal, wenn Sie so haben wollen, das der/dem Begleiter_in widerfahren ist, auch wenn Sie sich dadurch noch so verstanden fühlen. Sondern werfen Sie einen zweiten Blick auf die ihn qualifizierende Ausbildung. Für eine Beraterin bzw. einen Berater oder eine Begleiterin oder einen Begleiter gilt es, genau hinzusehen und hinzuspüren, zu erkennen, zu wissen und Ihnen Dinge einfühlend, wertschätzend und auch wahrhaftig zurückzumelden. So auch, wenn ein Arztbesuch oder eine Psychotherapie erforderlich sein könnte. Das zu erkennen, macht eine fundierte Ausbildung notwendig.

In Österreich und Deutschland gibt es noch keinen eigenen Berufsstand der Trauerbegleiter_innen. In der Trauerbegleitung und Trauerberatung in Österreich sollte der professionelle Begleiter bzw. die Begleiterin in eigener Praxis mindestens über das Gewerbe des Lebens- und Sozialberaters verfügen – oder selbstverständlich eine höher qualifizierte Ausbildung in der psychologischen Beratung, Begleitung, Behandlung und Therapie, wie z.B. ein Studium der Psychologie oder eine Ausbildung zum Psychotherapeuten. Schön wäre natürlich, wenn Ihre Begleiterin oder Ihr Begleiter Erfahrung mit Trauer und Verlust oder eine Zusatzqualifikation in der Trauerbegleitung hätte. In Deutschland sollte er oder sie sich mindestens über eine Ausbildung zum Trauerbegleiter bzw. zur Trauerbegleiterin, welche über den Bundesverband für Trauerbegleitung e.V. anerkannt ist, qualifizieren. Natürlich ist hier hinsichtlich Psychologen_innen und Psychotherapeuten_innen das gleiche wie in Österreich zu empfehlen.

Machen Sie den ersten Schritt!

Finden Sie sich in einem der oben genannte Punkte zur Orientierung wieder, dann zögern Sie bitte nicht, sich jemandem anzuvertrauen, der es versteht Ihnen zu helfen. Öffnen Sie sich der für Sie geeigneten Person - und das muss nicht die erst beste sein! Wie bereits eingangs erwähnt, ist es ratsam, den Berg namens Trauer in Begleitung zu besteigen. Ihr Weg über diesen Berg lohnt sich, das ist ganz sicher so! Denn auf der anderen Seite liegt wieder ein Tal der Sonne – ein lebens- und liebenswertes Leben nach dem schmerzlichen Verlust. Ja, auch nach einem schmerzlichen Verlust ist ein LEBEN wieder möglich, das auch wieder schön sein kann und dessen Glück sich in satteren Farben für Sie zeigen wird.

MEHR INFO ZUR TRAUERBEGLEITUNG UND BERATUNG:

Mehr über meine achtsame Trauerbegleitung, mein Angebot und mich finden Sie auf meiner Webseite: www.gerdneubauer.at

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