• Gerd Neubauer

Der Junge und die Sternenkindmutter - Eine wahre Weihnachtsgeschichte.


Es war einmal ein kleiner Junge. Der lebte mit seiner allerliebsten Großmutter und ihren Tanten, die teilweise schon recht alt waren, sowie ihrer Cousine in einem großen Haus am Land. Er verlor mit fünf Jahren seinen Vater, weil sich seine Eltern trennten. Das tat seinem kleinen Herzchen sehr weh, denn der Vater zeigte kein Interesse mehr an seinem Sohn und meldete sich nicht mehr. Der kleine Junge ließ oft seine Tränen laufen, aber er war trotzdem außerordentlich stark und kümmerte sich sogar um die an Demenz erkrankten Großtanten, die ihn sehr liebten. Immer wieder zauberte er ihnen ein Lächeln ins Gesicht, weil er es verstand in die Welt der alten Damen einzutauchen und dort ganz bei ihnen zu sein. Eine dieser Damen, nämlich die Cousine der Oma, sie war damals schon um die 65 Jahre, noch nicht dement, war nicht immer bei ihm, denn sie hatte auch eine Wohnung in der Großstadt. Sie liebte den Jungen ganz besonders. Ihr Name war Hermi und so nannte sie der kleine Junge "Tante Hermi" und wenn er von ihr erzählte, dann sagte er, sie war seine Großtante.

Die beiden verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Tante Hermi passte auf den Jungen oft auf, spielte stundenlang mit ihm. Unter anderem zeigte sie ihm, welche berühmte Persönlichkeiten auf den Geldscheinen zu finden waren und durch welche Erfindungen oder andere Dinge sie bekannt wurden. Was er ganz besonders an ihr mochte, war, wenn sie ihm von ihrem kleinen, geliebten Sternenkind Arnold erzählte. Er musste vor langer Zeit, mit nur 7 Jahren "zu den Englein reisen". Der kleine Junge lauschte ihren Erzählungen lange und aufmerksam. Er stellte neugierig Fragen über ihren so braven und wirklich sehr klugen Arnold, der schon mit fünf Jahren lesen, schreiben und rechnen konnte. Mit sechs Jahren begleitete Arnold sogar ohne seiner Mutter Verwandte in Wien und zeigte ihnen, welche Straßenbahnlinie wann und wohin fuhr.

Diese Geschichten von Tante Hermi faszinierten den kleinen Jungen sehr. Denn so lernte er ihr Sternenkind, Arnold, immer besser auf eine - andere - Art und Weise kennen. Und es war ihm, als wäre Arnold noch immer am Leben. Denn für ihn war er durch diese lebendigen Erzählungen nicht tot. Für ihn "lebte" er - wo auch immer - aber er "lebte". Und für ihn stand auch außer Frage: Tante Hermi und Arnold waren im Herzen eins. Immer wieder, wie aus heiterem Himmel, fragte der kleine Junge seine Tante Hermi über Arnold und sie erzählte ihm. Das tat dem Herzen der Sternenkindmutter gut, trotzdem sie ihre Trauer dann noch immer spürte und die Tränen auch nach vielen Jahren wieder flossen. Wenn die Tränen bei ihr liefen, dann setzte sich der Junge auf ihren Schoß und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. Die Großtante dankte es ihm mit einer herzlichen Umarmung und ihrer ganzen liebevollen Aufmerksamkeit.

Weihnachten näherte sich wieder. Ein Fest, das für den kleinen Jungen mit gemischten Gefühlen verbunden war, wo doch sein Papa nicht mehr bei ihm war. Außerdem hätte er sich so gerne so viele Spielsachen gewünscht. Aber leider hatte das Christkind nicht so viel Geld und musste ja auch noch andere Kinder beschenken. Er liebte es, schon im Advent in den Spielwarenkatalogen zu schmökern und die Spielsachen, die ihm besonders gefielen, für das Christkind mit einem Kreuzchen zu kennzeichnen. So kam es aber, dass der Junge unter dem Weihnachtsbaum öfter Pullover, Socken und andere Kleidung fand, anstatt einen Skibob oder irgendwelche andere Spielsachen, die er in der Vorweihnachtszeit so fleißig ankreuzte. Aber in seiner Fantasie gehörten ihm diese Spielsachen damals schon beim Ankreuzen, denn er spielte schon in Gedanken damit. Was er an Weihnachten gerne mochte, war, dass am Heilgen Abend und am Christtag die ganze, große Familie mit Mama, Oma, allen Onkeln, Tanten und seinem fast gleichaltrigen Cousin bei ihm und seiner Großmutter zusammen kam - außer sein Papa kam nicht. Und eine Großtante kam auch nicht, nämlich seine liebte Tante Hermi. Sie blieb an Weihnachten immer in ihrer Wohnung in der Großstadt. Das verstand der Junge anfangs nun gar nicht, wo doch sonst bis auf seinen Papa alle da waren. Es war doch so viel los, keiner war einsam und es gab viele Leckereien.

Eines Tages fragte der Junge seine Großtante: "Sag mir doch, Tante Hermi, warum bist du zu Weihnachten nie bei uns? Es ist doch bei uns so viel los, du wärst nicht einsam und wir haben gutes Essen für dich." Darauf sah ihn seine Tante mit Tränen in den Augen an und sagte: "Weißt du, seitdem mein Arnold im Himmel ist, habe ich Weihnachten eine andere Bedeutung gegeben. Es ist der Tag, wo ich alleine zu Hause leise Musik höre, eine Kerze anzünde und meinem lieben Arnold sowie all meinen Lieben gedenke, die nicht mehr hier sein können. Ich begehe Weihnachten und dieser Tag der Liebe gehört also ihnen im Himmel." Der Junge sah sie mit großen Augen an, denn für ihn war es, als würde sie sich mit ihrer Mama, ihrem Papa und ihrem über alles geliebten Sternenkind Arnold treffen und Weihnachten feiern. Ja, in seiner lebhaften Fantasie war das damals genau so. Und plötzlich hatte Weihnachten auch für den kleinen Jungen eine andere Bedeutung. Er feierte zwar immer Weihnachten, wie es ihm von seiner Familie vorgelebt wurde, aber er wusste: Irgendwann, wenn er groß ist, wird er Weihnachten auch so "feiern" - in Stille, Ruhe, mit leiser Musik und einer besonderen Kerze.

Die Jahre vergingen, die Großtante wurde an die 80 Jahre und aus dem Jungen wurde auch ein Mann. Zeit ihres Lebens blieben die beiden eng miteinander verbunden, denn der junge Mann kümmerte sich um seine Großtante als sie nicht mehr gehen konnte und auf den Rollstuhl viele Jahre angewiesen war. Ja, und sie half ihm mit ihrem emotionalen Beistand in schwierigen Zeiten. Sie besuchten Arnold und alle ihre anderen Lieben immer wieder gemeinsam auf dem Friedhof und verbrachten auch sonst eine schöne Zeit. Sie erzählten einander und lachten viel, hatten auch später viel Spaß. Er begleitete seine Tante auf ihrem Lebensweg, bis auch sie ihre letzte Reise antrat zu ihrem geliebten Arnold ging.

Weitere Jahre vergingen und eine Krankheit, die ihn an die Grenze seines eigenen Lebens brachte, veranlasste ihn wieder tiefer in sein Herz zu sehen. Und da fand er plötzlich vieles von dem vor, was er Zeit seines Lebens irgendwann gesammelt hatte. Unter anderem auch das Weihnachten von dem ihm seine Tante Hermi einmal erzählte und er wusste, dass er es auch einmal so "feiern" wollte. Nie hatte er also vergessen, was Weihanchten für ihn wirklich bedeutete. Denn für ihn ist es auch noch immer ein Fest der Liebe in seinem Herzen - mit allen Lebenden und Toten. Und so begeht er heute noch dieses Weihnachten - in Stille und mit viel Ruhe, leiser Musik, einer besonderen Weihnachtskerze und mit all seinen Lieben. Also auch mit seiner lieben Tante Hermi und ihrem Sternenkind Arnold, die beide jetzt im Himmel sind. Denn heute weiß er noch, dass jeder von uns, auch DU, ein Stück Himmel in seinem Herzen trägt und es dort ein Weihnachten mit ALLEN gibt.

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Bilder: © pixabay.com, Gerd Neubauer

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Gerd Neubauer, MSc Trauerbegleitung Trauerhilfe

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